Solarpunk-Filme: Visualisierung einer optimistischen Zukunft

Mangels eines "echten" Solarpunk-Referenzfilms werden hier Filme mit Solarpunk-Aspekten aufgeführt und Filmschaffende eingeladen, das Genre zu erforschen.
Eine einsame, verhüllte Gestalt steht auf einer grasbewachsenen Wiese vor einem warmen Sonnenuntergangshimmel mit stilisierten, baumbewachsenen Felsformationen in der Ferne.

Dystopische Filme

Es gibt eine Menge dystopischer Filme: Blade Runner, Die Matrix, 1984, Alien, Hunger Games, Terminator, Mad Max, Die Zeitmaschine, Planet der Affen, um nur einige zu nennen.

Die Protagonisten entkommen ihrer düsteren Umgebung. Vielleicht erleben sie bessere Tage, aber es bleibt ein Kampf ums Überleben, und die Dystopie wird weitergehen.

Da dystopische Filme sehr beliebt sind und das Sci-Fi-Genre seit Jahrzehnten dominieren, ist es ziemlich schwierig, reine Solarpunk-Filme zu finden. In Anbetracht der Tatsache, dass der Begriff Solarpunk selbst erst 2008 geprägt wurde, gibt es im Grunde keine, die dieses Genre bedienen.

Düstere, nasse Gasse zwischen Hochhäusern bei Nacht; Ansichten, wie sie oft in dystopischen Filmen verwendet werden

Auswahl von Filmen mit Solarpunk-Elementen

Hier einige Kriterien zur Bestimmung von Filmen, die zumindest teilweise Solarpunk-Aspekte enthalten.

  • Ein optimistisches oder hoffnungsvolles Ende

  • Eine Gesellschaft, die sich zu solarpunkähnlichen Strukturen hin entwickelt oder diese bereits lebt

  • Hochentwickelte Technologie, vereinbar mit ökologischem und sozialem Gleichgewicht

Auf Grundlage dieser Kriterien können folgende Filme in Frage kommen:

ARCO

ARCO (2025) entwirft eine sanfte, optimistische Zukunftsvision aus der Perspektive eines Kindes aus einer weit entfernten Zukunftsgesellschaft. Diese ist von Harmonie, Fürsorge sowie fortschrittlicher, zugleich menschenzentrierter Technologie geprägt.

Der Film stellt dieser hoffnungsvollen Zukunft eine fragilere Welt der nahen Zukunft gegenüber und macht deutlich, dass ökologisches Gleichgewicht, Vorstellungskraft und menschliche Verbundenheit Entscheidungen sind – keine Unausweichlichkeiten. Obwohl ARCO eher subtil und poetisch als programmatisch ist, steht der Film im Einklang mit Solarpunk-Werten, indem er Technologie als unterstützend, Neugier als transformativ und die Zukunft als gestaltbar begreift – hin zu einem Zusammenleben von Mensch, Umwelt und Innovation.[1]

Flucht ins 23. Jahrhundert (Logan’s Run)

Logan’s Run (1976), basierend auf dem gleichnamigen Roman von William F. Nolan und George Clayton Johnson aus dem Jahr 1967, folgt zwei Bewohnern auf der Flucht aus einer KI-kontrollierten Stadt, in der das Leben auf ein Alter von 30 Jahren begrenzt ist.

Nachdem sie erstmals Natur und Sonnenlicht erleben, kehren sie mit einer Wahrheit zurück, die das System nicht verarbeiten kann – was schließlich dessen Zusammenbruch auslöst. Als die Kuppel fällt und die Menschen ihren ehemaligen Lebensraum verlassen, eröffnet das Ende einen deutlich solarpunkhaften Horizont: die Möglichkeit, sich wieder mit der Natur zu verbinden, gemeinschaftlich neu aufzubauen und sich ein Leben jenseits auferlegter Grenzen vorzustellen.[2]

WALL·E

WALL·E (2008) verkörpert den Solarpunk Spirit durch die Widerstandsfähigkeit, Neugier und Fürsorge seines Protagonisten – selbst in einer beschädigten und verwüsteten Welt. Das Ende des Films, in welcher die Menschheit zur Erde zurückkehrt und mit der Wiederherstellung beginnt, entspricht stark einer solarpunkähnlichen Zukunftsvision. In dieser trägt Technologie zur Heilung des Planeten bei und ermöglicht erneut ein ausgewogenes Zusammenleben mit der Natur.

Insgesamt vermittelt WALL·E eine optimistische Botschaft von Einsicht und Neubeginn und steht damit im Einklang mit Solarpunküberzeugungen, dass die Menschheit aus vergangenen Fehlern lernen und bewusst eine nachhaltigere und harmonischere Welt aufzubauen vermag.[3]

TRON: Ares

TRON: Ares (2025) endet damit, dass sich die digitale und die physische Welt füreinander öffnen, anstatt voneinander abgeschottet und kontrolliert zu bleiben. Einer der Hauptcharaktere bringt erfolgreich einen digitalen Orangenbaum in die reale Welt und zeigt damit, dass hochentwickelte Technologie lebendig und dauerhaft werden kann.

Als gemeinschaftliche Errungenschaft gedacht und nicht als privates Eigentum, steht der Baum symbolisch für eine solarpunkhafte Zukunft, in der Technologie ökologische Erneuerung, Durchlässigkeit und Koexistenz jenseits abgeschotteter Infrastrukturen unterstützt.[4]

wo helmeted, humanoid figures in glowing red neon suits stand inside a red, futuristic room..
© Disney

Black Panther

Black Panther (2018) und Black Panther: Wakanda Forever (2022) präsentieren Wakanda als Vision einer Zukunft, weitgehend frei von vielen der heutigen ökologischen und sozialen Krisen.

In beiden Filmen wird Technologie als Werkzeug kollektiven Wohlergehens und nicht als Mittel der Dominanz dargestellt. Das Vibranium ermöglicht saubere Energie, fortschrittliche Infrastrukturen und langfristige Nachhaltigkeit. Wakandas Fokus auf Naturschutz, kulturelle Kontinuität und inklusive Sozialstrukturen steht in enger Übereinstimmung mit Solarpunk-Werten und bietet ein optimistisches Modell dafür, wie technologischer Fortschritt und ökologisches Gleichgewicht koexistieren können.[5]

A silhouetted figure wearing an ornate headdress and jewelry stands against a glowing, turquoise, light-filled background, evoking an underwater or ethereal atmosphere.
© Disney

La Belle Verte

La Belle Verte (1996) entwirft das Bild einer Zivilisation, welche die industrielle Stadt vollständig hinter sich gelassen hat. Frei von Geld, Hierarchien und großindustriellen Strukturen leben ihre Bewohnerinnen und Bewohner in direkter Beziehung zum Planeten selbst und begreifen die Erde nicht als Eigentum, sondern als Zuhause. Als eine von ihnen das zeitgenössische Paris besucht, wird das urbane Leben – durch Ironie statt durch Katastrophe – als laut, gewalttätig und zutiefst entfremdet entlarvt.

Die „Reise“ der Protagonistin nach Paris ist weniger eine buchstäbliche Raumfahrt als vielmehr eine science-fictionhafte Metapher: ein Mittel, um zwei gleichzeitig existierende Zivilisationsparadigmen gegenüberzustellen. Das eine ist ökologisch, dezentral und planetar ausgerichtet; das andere modern, urban und extraktiv. Diese Mehrdeutigkeit ist bewusst gewählt. Indem der Film Planet, Zukunft und Parallelrealität miteinander verschwimmen lässt, suggeriert er, dass der „Grüne Planet“ nicht anderswo liegt – sondern ein Weg ist, den die Erde selbst noch einschlagen könnte.[6][7][8]

Avatar

Avatar (2009), gefolgt von Avatar: Der Weg des Wassers (2022) und Avatar: Feuer und Asche (2025), bildet ein langfristiges filmisches Projekt, das Umweltfragen ins Zentrum einer von Blockbustern geprägten Bilderwelt rückt. Anstatt eine transformierte Erde zu zeigen, verlagert die Saga ihre solarpunkhaften Intuitionen auf Pandora – eine lebendige Welt, in der Kultur, Technologie und Ökosysteme als ein vernetztes Ganzes funktionieren, ausgelegt auf Gleichgewicht statt Ausbeutung.

Aus Solarpunk-Sicht bleibt die Filmreihe ambivalent: Ihre ökologische Zukunft existiert anderswo, geprägt von kolonialem Aufeinanderprallen und epischem Konflikt, während die Stadt (als industrielles Sinnbild der Erde) vor allem als Motor der Ausbeutung erscheint. Dennoch erfüllt Avatar eine entscheidende kulturelle Funktion: Die Filme zeigen, dass Harmonie, gegenseitige Abhängigkeit und ökologische Fürsorge breitenwirksam sein können, ohne auf apokalyptische Szenarien zurückzugreifen. Damit eröffnen sie einen imaginativen Raum, den Solarpunk nun wieder nach Hause holen muss – von fernen Planeten zurück zur Erde selbst.[9]

Wir hoffen auf ein optimistisches Ende!

Studio Ghibli

Die Filme von Studio Ghibli sind zwar nicht explizit als Solarpunk gekennzeichnet, verkörpern jedoch in hohem Maße die zentralen Werte der Bewegung: Umweltbewusstsein, soziale Harmonie und die Integration von Technologie und Natur.

So entwirft Nausicaä aus dem Tal der Winde (1984) eine frühe und einflussreiche Vision ökologischer Wiederherstellung, Zusammenleben und moralischer Verantwortung in einer angeschlagenen Welt. Prinzessin Mononoke (1997) thematisiert die Spannungen zwischen Ökosystemen und menschlicher industrieller Expansion, während Chihiros Reise ins Zauberland (2001) die Verbundenheit aller Lebewesen zelebriert.

Der Junge und der Reiher (2023) reflektiert Trauer, Wandel und Verantwortung über Generationen hinweg. Der Film bedient sich einer surrealen, naturspirituellen Welt, um zu verdeutlichen, dass ökologisches Gleichgewicht und persönliches Wachstum aus Fürsorge, Erinnerung und der Akzeptanz von Vergänglichkeit entstehen. [10]

Übergreifend spielen starke und anpassungsfähige Protagonistinnen zentrale Rollen, was mit der Solarpunk-Perspektive auf individuelle Handlungsfähigkeit innerhalb kollektiver Zukunftsentwürfe verknüpft werden kann. Visuell greifen die Studio Ghibli Filme Solarpunk-Ästhetiken auf, indem sie üppige Landschaften mit Technologien verbinden, die – teils konfliktbehaftet, teils harmonisch – mit der natürlichen Welt verflochten sind.

Appleseed

Appleseed (2004) zeigt eine weibliche Protagonistin – eine Soldatin, die einen globalen Krieg überlebt hat – bei ihrer Ankunft in der futuristischen Stadt Olympus.

Die Stadt vereint mehrere Solarpunk-Elemente, darunter eine in modernster Architektur eingebettete Vegetation, die Nutzung erneuerbarer Energien wie Solarenergie sowie schwebende Fahrzeuge. Zusammengenommen spiegeln diese Aspekte das Bild einer technologisch hochentwickelten Gesellschaft wider, die visuell und strukturell mit der Natur verbunden bleibt.[11]

Dear Alice

Dear Alice (2023) ist ein japanischer animierter Kurzfilm, der als Werbespot für ein Joghurtprodukt konzipiert und ausgestrahlt wurde und vollständig in einer Solarpunk-Welt angesiedelt ist.

Aus ästhetischer Sicht ist der Film durch und durch Solarpunk: Er zeigt üppiges urbanes Grün, eine am Menschen orientierte Architektur und fortschrittliche Technologie, welche sich nahtlos in den Alltag integriert. Dear Alice ist zu einem der am häufigsten zitierten visuellen Beispiele für Solarpunk geworden, wird jedoch aufgrund seines Ursprungs als Werbung für ein Konsumprodukt auch kritisch diskutiert und angefochten, werden doch Fragen bezüglich einer Instrumentalisierung von Solarpunk-Ästhetik für Werbezwecke aufgeworfen.[12]

Ein Appell an Filmschaffende weltweit

Warum greift ihr das Thema Solarpunk nicht auf? Ihr könnt eurer Kreativität freien Lauf lassen und eine spannende Geschichte erzählen. Wie in jeder Gesellschaft gibt es auch in einer Solarpunk-Welt viel zu erkunden: Konflikte und Herausforderungen ebenso wie Harmonie und Glück. Vielleicht möchtet ihr daraus etwas machen – und als Katalysator wirken!

Sources:

[1] https://encodeur.movidone.com/getimage/-RxfybKSOG7UnQZnshsE37k1Hp2CV5FjcOZQpYu0DcAkJF_B2-ecckqtKYdMAJAJXr-BNBAaeHhAaAhv5Y7UDoJpxJwc–OmnYwKscW0nFT8wbCqT1W5pcDZrlWVDSpSg17518fME_Rc8S9255ZQML_MslUEdkON3y-L6jQLbdoRncyYrsJPqXyuYc3hVT5xTg1r-CzpTYbY_i6lpaSebZgj
[2] https://en.wikipedia.org/wiki/Logan%27s_Run_(film)
[3] https://en.wikipedia.org/wiki/WALL-E
[4] https://press.disney.co.uk/press-kit/tron-ares-press-kit
[5] https://press.disney.co.uk/press-kit/black-panther-wakanda-forever
[6] https://www.cine-dossiers.fr/wp-content/uploads/2023/10/CD2023_La-belle-verte_compressed.pdf
[7] https://solarpunk.it/waiting-for-the-sun/2021/
[8] https://www.studiocanal.com/title/visit-to-a-green-planet-1996/
[9] https://en.wikipedia.org/wiki/Avatar_(franchise)
[10] https://encodeur.movidone.com/getimage/s584QrbvwGjwufKlqe4_rGQ25-3cbkPd1w8D9gPAz_skJNFEj5FkKmnzvOG2IIVQlXV6TCSpyu5bfOvz7dsxiN3-5qh2oS-O0fHsU4gJkGSljYkWC4zqp8vQTTqqfJQEwySnUrFDHOLdl4wUAI9YnwZem6KGtIOj8U8FYlVhJ_ino-uy-y9VH5pWkxR98iOTMlQ3Pt7JPOdhgCaiWMH4SaT7
[11] https://en.wikipedia.org/wiki/Appleseed_(2004_film


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